Lisa Jung Mitteldeutsche Hallen-Meisterin im Fünfkampf

um-kj - (01.02.2018) Mehrkämpfer haben es schwer in diesen Zeiten. Unter dem Hallendach gibt es traditionell weder Landes- noch Norddeutsche Meisterschaften, und die Mehrkampf-DM fällt zum wiederholten Male aus.

Entsprechend fühlte sich Mehrkampf-Spezialistin Lisa Jung (LG Göttingen) um den angedachten - und in den beiden letzten Jahren erfolgreich absolvierten - Höhepunkt der Hallen-Saison gebracht.

Es mussten andere Ziele gefunden werden, und so sollte mitten aus dem Aufbautraining heraus die Teilnahme an den Mitteldeutschen Hallen-Mehrkampfmeisterschaften in Halle/Saale eine erste Orientierung für das Jahr 2018 sein.

Immerhin waren die Mitteldeutschen „verbandsoffen“ ausgeschrieben, und so konnte sich Lisa gleich zu Jahresbeginn mit einem neuen, ungewohnten Titel schmücken: Mitteldeutsche Hallen-Meisterin im Fünfkampf/Frauen mit 3360 Punkten.
9,73s (60m-Hürden) – 1,56m (Hoch) – 10,00m (Kugel) – 5,45m (Weit, Hallen-pB) – 2:29,98min (800m, im Alleingang) zeigen, dass Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer (die sogenannten "Zubringerleistungen") für Anfang Januar bereits sehr gut, deren Umsetzung in den technischen Disziplinen beim ersten Wettkampf seit Anfang September jedoch erwartungsgemäß noch nicht stabil sind.


Vor dem Hintergrund des wiederholten Ausfalls der Hallen-DM Mehrkampf seien an dieser Stelle ein paar grundsätzliche Worte zum Thema Mehrkampf erlaubt.

Der frisch gewählte DLV-Präsident spricht von der „Leichtathletik als Kulturgut“, und man könnte auf die Idee kommen, dass er dabei auch - und vielleicht insbesondere - die Mehrkämpfer meint, die das Laufen-Springen-Werfen wie sonst kaum jemand personifizieren und abbilden.

Nur leider immer weniger in der Öffentlichkeit. Aber auch Kulturgut erhält sich nicht von selbst...

Drei Argumente werden gerne vorgebracht, wenn es um die Ausrichtung von Mehrkampf-Meisterschaften geht. Sie sollen hier kurz und subjektiv beantwortet werden.

1. Die erwartete Teilnehmerzahl ist sehr gering.
Antwort: Die z.T. schwachen Teilnehmerzahlen in der ein oder anderen Einzeldisziplin der kürzlich ausgetragenen Landesmeisterschaften würden die Mehrkämpfer allemal zusammen bringen.
 
2. Der organisatorische Aufwand für ein Mehrkampfwochenende ist sehr hoch.
Antwort: Das stimmt unbedingt. Aber wenn dem Ausrichter der Aufwand zu groß ist – was sollen dann die Mehrkämpfer sagen, die für eine gute Leistungsfähigkeit in einer Vielzahl von unterschiedlichsten Disziplinen den größten Trainingsaufwand betreiben müssen?!
 
3. Mehrkämpfer können ersatzweise doch gut an den Wettkämpfen in den Einzeldisziplinen teilnehmen.
Antwort: Ja, das tun sie auch gerne. Allerdings ist der „echte“ Mehrkämpfer auf gleichem Niveau den Einzeldisziplin-Spezialisten unterlegen – und umgekehrt. Frank Busemann, Rico Freimuth, Jennifer Oeser und Carolin Schäfer: sie alle haben ihre größten Erfolge bei Mehrkampf-Meisterschaften erzielt.

Es wäre schön, wenn man den Zehnkampf und Siebenkampf als Spezialdisziplinen begreifen würde. Die Athlet*innen hätten diese Anerkennung verdient.

Ein persönliches Schlusswort. Ich liebe die Vielfalt der Leichtathletik, befürchte aber folgendes:

In nicht allzu ferner Zukunft trauen die Kids ihren Ohren nicht, wenn ihnen die Eltern etwas von „damals gab es sogar Meisterschaften in den Mehrkämpfen“ erzählen.

Karsten Jung


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