Papenburg: das Rettungsboot der (anderen) Meyer-Werft

um-kj - (05.06.2019)
In der Papenburger Meyer-Werft laufen zuweilen dicke Kreuzfahrtschiffe vom Stapel. Das nahegelegene Waldstadion dagegen hat sich als Rettungsboot erwiesen: Ohne Papenburg wären die Landes-Mehrkampfmeisterschaften mittlerweile vielleicht nur eine verblassende Erinnerung der Betreuer-Generation, quasi ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

Was war geschehen? Nach Papenburg 2014 mussten die Meisterschaften 2015 mangels Ausrichter entfallen (wie schon 2012). Und nach Oldenburg 2016 sah es für die Folgejahre wieder sehr kritisch aus - bis der NLV die Zusage aus Papenburg bekam. Und das gleich für 3 Jahre in Folge.

Hermann-Josef Meyer sei Dank. Und wenn ich HJM sage, meine ich nicht nur ihn, den Unermüdlichen. Nein, hier sei das gesamte Orga-, Kari- und Helferteam einbezogen, bis hin nach Oldenburg, Lingen, Wilhelmshaven.
Geeignete Stadien gibt es zwar viele im Verbandsgebiet. Aber zugegeben, der Mehrkampf ist für Ausrichter eine vergleichsweise undankbare Meisterschaft: 2 Tage Platzbau mit großem Bedarf an Kampfrichtern im Dauereinsatz an vielen, zumeist doppelt zu besetzenden WK-Stätten gleichzeitig. Und das für eine sehr überschaubare Anzahl von Teilnehmern.

Um das Verhältnis von Aufwand und Nutzen besser zu tarieren, gab es nun also die Zusammenlegung von Mehrkämpfen, Langstaffeln und Langstrecken in einer Meisterschaft. Ein Experiment – ein äußerst gelungenes!

Mehrkampf und Mittel- bzw. Langstrecken sind sehr verschieden in ihren Anforderungsprofilen; die Sportler selbst haben völlig unterschiedliche Trainings- und Wettkampfroutinen. Aber besonders die Staffeln bringen Schwung: es geht rund am zweiten Tag, an dem die Mehrkämpfer fast nur noch an den Sprung- und Wurfanlagen beschäftigt sind.

In Papenburg ist die große und diverse Leichtathletik-Familie wieder ein Stück näher zusammengerückt.

Die Organisation hatte alle Hände voll zu tun. Von dieser Betriebsamkeit war aber nach außen hin fast nichts zu spüren - perfekt! Die Wettkampfanlagen im idyllischen Waldstadion top hergerichtet, ein verlässlicher Zeitplan (inkl. der Verbindlichkeit von durchgesagten Startzeiten), stimmungsvolle aber nie aufdringliche Musikbegleitung und besonders bemerkenswert: die Kampf- und Schiedsrichter regelfest und souverän, dabei immer athletenfreundlich und nie arrogant. Das erlebt man leider oft anders.

Manchmal vergisst man, was Athleten wirklich brauchen - in Papenburg nicht. Danke dafür!

Ich bin ja ein bekannt kritischer Geist, aber hier habe ich tatsächlich nur Lob im Köcher.

Zum Sport
Papenburg hatte eingeladen, dazu den Tisch reichlich gedeckt, eine Kapelle und bestes Wetter bestellt und viele, viele Sportler haben dieses Fest zur eigenen Leistungsschau genutzt.

Alle verdienten Titelträger sind in den Ergebnislisten nachzulesen. Und während eine gute Handvoll niedersächsischer Spitzen-Mehrkämpfer ihre internationale Qualifikationschance in der Bernhausener Parallel-Veranstaltung suchen mussten, gab es in Papenburg eine große Zahl von DM-Qualifikanten.

Dass der Terminplan ein paar Spitzenkräfte abruft ist bedauerlich, schmälert aber nicht den Erfolg der Oelgardts, Tewes‘ und Neuberts – und den der Veranstaltung sowieso nicht.

Das - besonders im DLV - vielzitierte Argument „ohne die Spitzenathleten sind das doch keine richtigen Meisterschaften“ gibt es tatsächlich nur im Mehrkampf. Absurd, aber naja, es gibt halt viele Möglichkeiten, die Leichtathletik klein zu kriegen.

Man möge mir die subjektive Einschätzung verzeihen, aber die sportlich beste Leistung geht m.E. auf das Konto von Janina Lange (MTV Lübeck/7K Frauen): 5428 Punkte – „da sieht man auch bei Deutschen Meisterschaften gut aus“ (Zitat Siegerehrung). Schade nur, dass es in diesem Jahr zum wiederholten Mal keinen König von Deutschland (bzw. Königin) geben wird…

Fazit

An vielen Stellen wird diskutiert, wie man die Leichtathletik bei immer kleiner werdenden Teilnehmerfeldern neu aufstellen und befeuern kann – hier ist dem NLV zusammen mit Hermann Meyer ein leuchtendes Beispiel gelungen.

Danke und weiter so!

Karsten Jung (Göttingen)





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